Evaluation von Dipl. Psychologin Dorothe Scholz

Nachhaltigkeit und wissenschaftliche Evaluation des Projekts

Die von dem Projekt „Schoolbattle“ beeinflussten Persönlichkeitsaspekte, Fähigkeiten und Einstellungen setzen einen Kreislauf aus positivem Verhalten und daraus resultierenden Erfolgserlebnissen in Gang und wirken somit wesentlich nachhaltiger auf das Leben der Jugendlichen als herkömmliche Arbeitsgemeinschaften. Dieser Fakt konnte bereits in einer pädagogischen Evaluationsarbeit nachgewiesen werden und wird weiterführend von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Projekts in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen einer psychologischen Studie untersucht. Kooperationen mit Jugendhäusern, Jugendvollzugsanstalten, Bildungsnetzwerken, gemeinnützigen Stiftungen und Grundschulen existieren bereits und werden ständig erweitert, um eine möglichst umfassende Präventions- und Betreuungsarbeit leisten zu können.

Mit Hip Hop als populärem und kreativem Medium lässt sich so gut wie jedes Thema spannend und pädagogisch vermitteln. Das Programm “Hip Hop macht Schule” ist dabei dem Alter der Zielgruppe genauso leicht anpassbar wie den spezifischen Inhalten und Zielstellungen, die zuvor mit den jeweiligen Institututionen abgestimmt werden können. Grundsätzlich kann in zwei übergeordnete Bereiche unterteilt werden:

Primärprävention

Diese Präventionsform umfasst alle Alters- u. Zielgruppen, da sie sich auf eine vielseitige Kompetenzsteigerung konzentriert, anstatt auf bestimmte eingegrenzte Risikofaktoren zu fokussieren. Der Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von Potentialen seitens der TeilnehmerInnen und auf eine Stärkung ihrer Wiederstandskraft gegen negative gesellschaftliche und soziale Einflüsse (z.B. durch ein gesundes Selbstbewußtsein und Reflexionsvermögen). Während des Programmablaufs können verschiedene Fähigkeiten erworben und trainiert werden, wie z.B. konzentriertes, ergebnisorientiertes Arbeiten, Softskills wie Teamwork und eine strukturierte Arbeitsweise oder Durchhaltevermögen bzw. Arbeitsdisziplin. Durch die kreative Komponente des Programms wird das Selbstwirksamkeitserleben durch schnell sichtbare Erfolgserlebnisse gestärkt, und die Hemmschwelle, sich auch mit ungewohnten oder schwierigen Themenfeldern zu beschäftigen, sinkt. Gleichzeitig können wichtige Alltagskompetenzen, wie z.B. ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien oder prosoziales Verhalten, auf eine alltagsnahe und interessante Weise vermittelt werden. Diese Form der Präventionsarbeit eignet sich auch für Grundschulen, findet jedoch auch in der Jugendarbeit oder in weiterführenden Schulformen sinnvoll Anwendung.

Sekundärprävention

Sekundärpräventive Bemühungen erstrecken sich vor allem auf solche TeilnehmerInnen, die als Risikogruppe eingestuft werden, problematisches Verhalten aufweisen oder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestimmten Risikofaktoren ausgesetzt sind. Hier ist es von Nutzen, zielgerichtet vorzubeugen, um gar nicht erst beginnen zu lassen. Da die meisten dysfunktionalen Verhaltensweisen aus einem Anerkennungsbedürfnis heraus entstehen, eignet sich Hip Hop als populäre Jugendkultur hervorragend als alternativer Profilierungsraum. Die TeilnehmerInnen können in den einzelnen Hip Hop-Disziplinen den Respekt ihrer Sozialisationsgruppe auf wesentlich produktivere Art und Weise gewinnen, als mit Problemverhalten (z.B. Alkoholkonsum, Gewalt etc.) – und zwar unabhängig von Ethnie, sozioökonomischem Status oder Bildungsstand. So werden gerade auch solche Jugendliche durch das Programm angesprochen, die durch Überschneidung von Risikofaktoren besonderen Bedarf an kompensativem Profilierungsverhalten haben, normalerweise jedoch aufgrund ihrer Marginalisation schlecht für Jugendsozialarbeit erreichbar sind. Dadurch, daß wir selbst im Bereich Hip Hop als Rapper, Tänzer oder Produzenten aktiv sind, können wir die Grundlage des Hip Hop authentisch und durchdacht vermitteln. Wir kennen die geschichtlichen und psychologischen Hintergründe der Bewegung, und können das Potential der Jugendlichen mithilfe jugendgerechter und zeitgemäßer Kommunikation auf dieser Basis entdecken und fördern. Der Status dieser Jugendkultur ist dabei ein Garant für eine dauerhafte Motivation über die gesamte Zeitspanne des Projekts.

Das Programm baut dabei auf 3 Säulen auf, die sich in der Präventionsforschung als die wirksamsten Strategien herausgestellt haben:

  • Eigenreflexion bzw. Reflexion der Problematik
  • Stärkung der psychischen Widerstandskraft gegen negative Faktoren (Resilienz)
  • Erlernen valider und gleichzeitig produktiver Handlungsalternativen

Hip Hop stellt dabei den “Schlüssel” dar, mit dem wir einen Zugang zu den jungen TeilnehmerInnen erschließen können, um diese Präventionsstrategien möglichst wirkungsvoll transportieren zu können. Wir geben Ihnen die Möglichkeit, Hip Hop verstehen zu lernen, denn die kreative, identitätsbildende und kommunikative Energie von Hip Hop inspiriert Jugendliche wie auch Erwachsene und motiviert zur konstruktiven Umsetzung individueller Talente und Fähigkeiten. Viele Jugendliche können wir nur erreichen, wenn neue Ansätze, neue Definitionen, neue Wege von Kultur und Bildung gewagt werden. Die Prinzipien des HipHop zeigen vielversprechende Möglichkeiten auf. Wenn wir die historische Bedeutung und die eigentliche Absicht dieser musikalischen Bewegung verstehen, bietet sie uns eine perfekte Plattform, um Jugendliche mit den notwendigen Kompetenzen und sozialen Fertigkeiten auszustatten, die ihnen bessere Chancen im Leben eröffnen.

Stichpunkt Eventcharakter: Wie dauerhaft wirken die Resultate, die durch Hip Hop macht Schule vermittelt werden? Liegt den Erfolgen am Ende nur ein kurzfristiger Enthusiasmus zugrunde, dessen Wirkung nach Abschluss der letzten Unterrichtsstunde wieder verpufft?

“Hip Hop macht Schule” ist ein ressourcenorientierter Ansatz, des die Stärken und Talente der TeilnehmerInnen fördert, anstatt an ihren vielzitierten Defiziten anzusetzen. Durch Erfolgserlebnisse und Anerkennung für sozial kompetentes Verhalten und Leistung entwickeln die Jugendlichen ein positives Selbstwirksamkeitsgefühl und erlangen Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Diese dauerhaft in das Selbstkonzept integrierte Einstellung wirkt auch nach Ende des Programms weiter und wird in der Umkehrung des bekannten Teufelskreises durch weitere Erfolge im schulischen und sozialen Bereich immer mehr gefestigt. Der Glaube daran, selbstgesetze Ziele erreichen zu können, spielt eine entscheidende Rolle für das weitere Bildungsverhalten der Schüler. Die erlernten Softskills und Konfliktbewältigungsstrategien unterstützen dabei diesen Prozess und erschließen den Teilnehmern größere Chancen im Schul- und Berufsalltag. Zudem wird relevantes Wissen durch die neuartige Vermittlung des Stoffs für die Schüler greif- und verfügbarer; die vorher oft negative Einstellung zu Schule und Lernen wird durch neue Motivation verbessert und fördert Neugier sowie die Freude am eigenständigen Denken – Fähigkeiten, die über verbesserte Schulleistungen die Zukunft der Jugendlichen ebenfalls dauerhaft zu beeinflussen vermögen.

Mittels gezielter Infragestellung kontraproduktiver Wertesysteme durch authentische, prestigeträchtigen Coaches und die aktive Auseinandersetzung mit einem auf Respekt und Toleranz basierenden Miteinander werden die Norm- und Wertvorstellungen der Jugendlichen in einer besonders prägbaren Phase ihres Lebens nachhaltig beeinflusst. Die Möglichkeit, über Kreativität, Engagement und Disziplin Respekt zu erringen, erleichtert hierbei den Aufbau einer moralisch sensiblen, gewaltresistenten Persönlichkeit, die sich ihrer Möglichkeiten im Leben bewußt ist und von kompensatorischer Selbstbestätigung über Aggressionen oder Drogenkonsum Abstand nehmen kann. Dies alles sind Effekte, die mit der Identitätsbildung eng verbunden sind und damit über die Dauer des Projekts hinaus als immanenter Teil der Person weiterexistieren.

Wichtig ist zudem der Integrationscharakter des Programms: Hip Hop als Schnittpunkt und eigenständiger „Kulturkreis“ vereint das heterogene Feld der Zielgruppe unter gemeinsamen Ziel-und Wertevorstellungen, die soziale, religiöse, ethnische und ökonomische Grenzen überschreiten. Die psychische Empfindung einer sogenannten „In-Group“ ermöglicht die gegenseitige Reflektion der Angehörigen dieser Kultur auf einer Basis von Solidarität, Gleichheit und Zusammengehörigkeit, welche Vorurteile infrage stellt und negative Fremdbilder in einen kritischen Blickpunkt rücken läßt. Überaus wertvoll hierbei ist auch der Zugang, der sich den Lehrern auf diesem Weg als wirksame Kommunikationsmöglichkeit zu den Schülern erschließt und die im heutigen Bildungssystem entstandenen Entfernungen zwischen beiden Seiten zu überbrücken vermag. Die daraus erwachsenden Vorteile – sowohl für die TeilnehmerInnen in ihrem beruflichen und sozialen Werdegang, als auch für das Bildungssystem, den Arbeitsmarkt, die Gesellschaft und die Integrationspolitik – sind dabei enorm. Eine weiterführende Betreuung und die Ausarbeitung eines bundesweiten Netzwerks an Fördervereinen, Partnerschulen und Schirmherren gewährleistet dabei ein dauerhaft bestehende Einbindung der TeilnehmerInnen auch über das Programmende hinaus.

Da sich der “Hip Hop macht Schule”-Ansatz zudem in erster Linie an den Stärken und Interessen der Schüler orientiert, und die zur Wissensvermittlung verwendete Jugendkultur ein flexibel austauschbares Medium darstellt, sind wir unabhängig von aktuellen musikalischen Trendspitzen.

 

Wichtig:

Hip Hop transportiert die gewünschten Inhalte und fördert durch seinen kreativen Fokus elementare Werte und Fähigkeiten. Sobald jedoch nach Ende des Programms der Prozess der Werteverinnerlichung und des Kompetenzaufbaus abgeschlossen ist, sind die Resultate unabhängig von der weiterbestehenden Popularität des Mediums. Dieses funktioniert gewissermaßen lediglich als Trojanisches Pferd, über welches die eigentlich wichtigen Botschaften jugendgerecht und attraktiv an die Teilnehmer vermittelt werden können.

 

 

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