Examensarbeit von M. Papadopoulou

Evaluation des Gewaltpräventionsprojekts „Schoolbattle – Hip Hop gegen Gewalt an Schulen“ 

von M. Papadopoulou

 

Die einjährige Pilotphase des Projektes „Schoolbattle – Hip Hop gegen Gewalt an Schulen“ ist beendet. Während dieser Zeit wurden alle Beteiligten, die das Projekt begleiteten, gefragt, ob und wie Hip Hop einen Beitrag zur Gewaltprävention an Schulen leisten kann. Erstere lässt sich nach einem Jahr leicht beantworten: Ja, Hip Hop kann einen Beitrag zur Gewaltprävention an Schulen leisten. Die Frage nach dem „wie?“ lässt sich durch die Entstehung des Gewaltpräventionskonzepts „Schoolbattle – Hip Hop gegen Gewalt an Schulen“ beantworten.

Das „Schoolbattle-Projekt“ ist eine Umsetzung vieler Theorien, die entgegen der vorherrschenden Meinung, Hip Hop sei gewaltverherrlichend, behaupten, dass Hip Hop die Sprache der Jugendlichen spricht und diese nur durch das viel umstrittene Medium erreichbar sind. Das Projekt war zu Beginn sehr vielen Vorurteilen ausgesetzt, auch meinerseits, da Hip Hop in den Medien stets negativ dargestellt wird. Sicherlich steht außer Frage, dass Musik grundsätzlich Einfluss auf ihre Hörer hat; ob dieser Einfluss jedoch negativ sein muss, ist umstritten. Neuere Theorien stellen deutlich heraus, dass kein Zusammenhang zwischen dem Gewaltpotential eines Menschen und seiner Musikpräferenz besteht. Auch ich musste lernen, dass Hip Hop, so wie er heute bekannt ist und von vielen zur Zeit aktuellen Rappern für ihre Zwecke missbraucht wird, aus einer ganz anderen Motivation heraus entstand. Hip Hop war immer die Musik der Unterdrückten, der Unzufriedenen und derer, die etwas an dem vorherrschenden politischen System ändern wollten.

Hier lässt sich die Verbindung zu Jugendlichen, besonders zu Hauptschülerinnen und Hauptschülern, ziehen. Die Gewaltbereitschaft, besonders bei diesen Schülerinnen und Schülern, entsteht aufgrund vieler Faktoren, die nicht bewiesen sind, die sich dennoch herauskristallisieren: Migrationshintergrund, Inkompetenzen, familiäre Situation, Überforderung und fehlende Hilfestellung durch die Eltern, soziale Ausgrenzung, irreale Selbstsicherheit, negative Beeinflussung durch die Medien, Peergroupgewalt, Aggressivität, Pubertät, Perspektivlosigkeit, Frust, aber vor allem das Gefühl, ein „Hauptschüler“ und somit von der Gesellschaft stigmatisiert zu sein.

Gerade diesen Schülerinnen und Schülern den Hip Hop und seine Geschichte als ein Mittel zum Frustabbau näherzubringen, hat sich das Schoolbattle-Projekt vorgenommen. Anders als andere Gewaltpräventionskonzepte, die zeitlich begrenzt sind, nur für bestimmte Jugendliche zugänglich sind und erst angesetzt werden, wenn diese auffällig geworden sind, geht das „Schoolbattle“-Konzept ursachenorientiert, langfristig und meiner Meinung nach effektiv vor. Die Jugendlichen erhalten durch Rap und Tanz ein Mittel, mit dem sie ihren alltäglichen Frust abbauen können (für weitere Informationen siehe „Infomappe“, www.schoolbattle.info).

Nach nun einem Jahr „Schoolbattle“ kann die Behauptung aufgestellt werden, dass dieses Mittel genau das Richtige für die Jugendlichen war. Zwar wurden nicht alle vom Konzept angedachten Ziele erreicht, da das Konzept aufgrund vieler Faktoren nicht vollkommen umgesetzt werden konnte, dafür wurden aber viele andere positiven Nebeneffekte bemerkt. Bisher hat nur eine partielle Evaluation stattgefunden; eine summative Evaluation steht noch aus. Für die Evaluation wurden die Evaluationsmethoden der Beobachtung und Dokumentenanalyse angewandt; weiterhin wurden Reflexionsgespräche mit allen beteiligten Schülerinnen und Schülern geführt, die folgende Ergebnisse hervorbrachten:

Alle Schülerinnen und Schüler bestätigten, dass

  • sie ihre Aggressionen durch das intensive Training abgebaut haben
  • sie durch das entstandene Gemeinschaftsgefühl einander respektierten und tolerierten
  • zahlreiche neue Freundschaften entstanden sind
  • es keine Schwierigkeiten und Rivalitäten mehr zwischen den Schülerinnen und Schülern beider teilnehmenden Schulen gibt
  • ihr Selbstvertrauen/Selbstbewusstsein durch die vielen Erfolge und die große Medienpräsenz angestiegen ist
  • sie mittlerweile kein Problem mehr damit haben, sich zu ihrer Schule zu bekennen und sich mit ihr zu identifizieren
  • sie Anerkennung durch ihre Eltern und ihren Lehrerinnen und Lehrern erhalten haben
  • sie Verantwortung übernahmen für sich und andere
  • sie gelernt haben, sich an Regeln zu halten
  • sie ein Hobby in ihrem Leben gefunden haben, dass ihnen Spaß bereitet und sie weiterbringt
  • sie ihre Stärken/Schwächen erkannt haben und diese durch intensives Training abbauen/festigen konnten.

Letztendlich sind alle Schülerinnen und Schüler aufgrund der oben genannten Ergebnisse weitestgehend über ein Jahr gewaltfrei geblieben.

Aus den oben beschriebenen Ausführungen lässt sich das Resümee ziehen, dass das Projekt erfolgreich war, trotz zahlreicher Abweichungen vom ursprünglichen Konzept. Auch wurden viele Preise gewonnen, wie den „Xpress yourself“-Songwriterwettbewerb und die Auszeichnung des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz“ als „vorbildliches Projekt“, die den Erfolg des Projektes untermauern.

Für mich hat die Pilotphase des „Schoolbattles“ gezeigt, dass das Projekt durch den Hip Hop einen großen Beitrag zur Integration geleistet hat, da er ein Mittel zur Verständigung unter Jugendlichen ist, das auch ohne gemeinsame Sprache verstanden, gelebt und erlebt werden kann, da er Vorurteile, Berührungsängste und Sprachhindernisse abbaut, Aspekte anderer Kulturen spielerisch und gewaltfrei überliefern und neue gemeinsame Ziele schaffen kann.

 

Subscribe

Subscribe to our e-mail newsletter to receive updates.

Comments are closed.
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • YouTube